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Design Thinking als Lernansatz

Fortbildungsmaterial | Fach- und Lehrkräfte | Methodik und Didaktik

Nutzerzentrierte Ideenentwicklung, Prototypen und Testen

Beim Design Thinking geht es sowohl um Produktentwicklung als auch um Gestaltungsprozesse in weiterem Sinne. Design-Thinking-Methoden und -Denkweisen eignen sich hervorragend für Angebote der Digitalen Bildung.

Von der Bestandsaufnahme über den Prototyp bis hin zur Lösung – Wie realisieren wir unsere Projekte?

Einführung
Design Thinking ist eine Methode – oder vielmehr eine Denkweise - die aus der Produktentwicklung (Software und Design) kommt und viele innovative Ansätze bietet, Ideen zu entwickeln und aus Vorstellungen Wirklichkeit werden zu lassen. Design-Thinking-Methoden lassen sich auch prima im Grundschul- oder Kita-Kontext anwenden. Sie helfen Kindern und Erwachsenen dabei, Lernprozesse und -ergebnisse zu vergegenständlichen.
Aktivität

Design Thinking dient dazu, eine Lösung für ein Problem zu entwickeln und sich der Lösung schrittweise und strukturiert anzunähern. Die Methoden helfen, den Gestaltungsprozess von der Idee bis hin zur Lösung zu durchlaufen.

Phasen des Gestaltungsprozesses

Der klassische Design-Thinking-Prozess ist in mehrere Phasen geteilt. Ziel ist es, ein zunächst groß wirkendes Problem in kleine Teile zu zerlegen und sich so der Lösung anzunähern. Die Phasen werden in einem iterativen, also schrittweisen Prozess wiederholt.

1. Die Problemphase

Die Problemphase ist in drei Unterphasen unterteilt:

  • Verstehen
  • Beobachten
  • Ergebnisse Auswerten

Beispiel Problemphase: 

  • Problem verstehen: Im Schulhof oder auf dem Spielplatz liegt jeden Tag der Müll neben dem Mülleimer.
  • Beobachten: In der großen Pause den Mülleimer beobachten.
  • Ergebnisse Auswerten: Im Klassenraum gemeinsam besprechen: Was haben wir gesehen? Können wir Muster erkennen?

2. Lösungsphase

Auch die Lösungsphase besteht aus mehreren Unterphasen:

  • Ideen finden
  • Prototypen entwickeln
  • Testen

Beispiel Lösungsphase:

  • Ideen finden: Gemeinsam überlegen wir, wie wir das Müllproblem lösen können und sammeln die Ideen: z. B. ein Verbotsschild, ein Müllroboter, ein sprechender Mülleimer, eine Müllkanone usw.
  • Prototypen entwickeln: Wir bauen eine Müllkanone aus Pappe und überlegen, wie sie funktionieren könnte. Wie können wir sie so konstruieren, dass sie den Müll wegschießt? Dieser Prototyp ist nicht als Endprodukt zu verstehen. Es ist nicht abgeschlossen und kann stetig weiterentwickelt werden.
  • Testen: Wir können jetzt unsere Müllkanone in den Schulhof bringen und sie auf Praxistauglichkeit testen. Was funktioniert gut? Gibt es Schwachstellen? An welcher Stelle sollte man nachbessern?

Nach dem Testen fängt der Prozess dann von vorne an. Neue Probleme werden durch Beobachtungen identifiziert, (die Kinder zerstören die Kanone), neue Ideen werden entwickelt, die Kanone entwickelt sich weiter und wird dabei immer besser. Diesen Prozess des Zurückgehens, Neubeginns und Wiederholens nennt man Iteration.

Gestaltungsprozess im Design Thinking

Der Gestaltungsprozess ist charakterisiert durch folgende Eigenschaften

  • Visuell darstellen: Um eigene Ideen greifen zu lernen, ist es gut, sie visuell darzustellen, z. B. zu malen oder zu basteln. Eine grafische Ideenskizze gibt der Idee eine erste Gestalt und kann beim Erstellen des ersten Prototyps als Gerüst dienen.
  • Fehler sind willkommen: Nur wer Fehler begeht, lernt, sie zu überwinden. Es ist ganz normal, dass Lösungen nicht von Anfang an perfekt sind. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass Fehler ganz normal sind und dazu beitragen, Produkte zu optimieren.
  • Kritik als etwas Positives begreifen: Die Fähigkeit sich gegenseitig Feedback zu geben und dies anzunehmen, kann dazu beitragen, Ergebnisse zu verbessern. Es ist wichtig für Kinder zu lernen, diese Kritik positiv und nicht verletzend zu formulieren. Statt eines „Ja, aber…“ kann ein „Ja, und …“ wertschätzend und motivierend wirken.
Tipp

„Damit Design Thinking funktioniert, muss der Wille und die Fähigkeit vorhanden sein, neue Wege zu gehen, Neues auszuprobieren und dabei auch Fehler zuzulassen. Nur so entstehen neue Lösungen.” – hpi.com

Kinder sind mit ihrem ungetrübten Blick auf die Welt oft sehr gute Designerinnen und Designer! Heutzutage gibt es viele einfache Geräte und digitale Systeme, mit denen schon Kita-Kinder in der Lage sind Produkte – im Sinne von präsentierbaren Ergebnissen – zu erstellen und mit ihnen ihre Ideen zu verwirklichen. Ein solches Produkt kann beispielsweise ein Poster, eine gebasteltes Objekt, ein programmiertes Spiel oder ein Konzept sein.

In echt

Viele moderne Unternehmen nutzen Design Thinking bei der Entwicklung und Optimierung ihrer Produkte. Dabei stehen die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer von Anfang an im Zentrum, wodurch eine höhere Akzeptanz neuer Produkte erreicht werden soll. Die Idee ist, Produkte immer wieder auf ihre Qualität hin zu überprüfen und iterativ, also schrittweise weiterzuentwickeln. Eines der berühmtesten Beispiele für ein solches Produkt ist sicherlich das Apple iPhone: Seit 2007 ist es prinzipiell dasselbe Produkt, das sich aber in ständiger Entwicklung befindet.