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Problem- und Produktorientierung

Fortbildungsmaterial | Fach- und Lehrkräfte | Methodik und Didaktik

Probleme müssen nicht immer schlecht sein

Lernen Sie Konzepte Digitaler Bildung kennen. Erfahren Sie, wie Problem- und Produktorientierung Ihren pädagogischen Alltag mit den Kindern bereichern können.

Was ist das Gute an Problemen?

Einführung
Digitale Bildung befähigt Kinder zu einem kompetenten Umgang mit digitalen Phänomenen. Dabei geht es um mehr als Digitalität als Sachinhalt. Im Rahmen der Digitalen Bildung lernen Kinder mit digitalen Technologien souverän umzugehen und wichtige Kompetenzen zu entwickeln, die für ein Leben in der digitalen Welt immer wichtiger werden. Um diese Kompetenzen optimal zu fördern und weiterzuentwickeln, braucht es neue Lehr- und Lernansätze und Methoden. Die Digitalisierung hat unserer Gesellschaft in vielen Wirkungsbereichen neue Handlungsmöglichkeiten eröffnet. Wir wollen diese Handlungsmöglichkeiten und Konzepte für unsere Bildungsarbeit nutzen.
Aktivität

Informatik, Algorithmisches Denken, Robotik, Programmierung und digitale Werkzeuge können uns dabei helfen, spannenden und interessanten Aktivitäten nachzugehen. Sie können uns unterstützen, Probleme zu lösen sowie unsere Kreativität und unseren Erfindungsgeist auszubilden. Dafür verbinden wir lösungsorientierte Herangehensweisen aus der Pädagogik mit Problemlösungskompetenzen aus dem informatischen Denken.

Um sich sinnvoll mit Kindern den Themen Informatik, Algorithmen und Co. zu nähern, müssen wir sie kreativ einsetzen und konkrete Praxisbezüge herstellen: Ein Code muss etwas auslösen und nachvollziehbar sein, ein Roboter eine Funktion haben und ein Algorithmus ein konkretes Problem lösen.

Lebensweltbezüge finden und „ins Machen kommen“

Eine gute Methode, Informatik, Programmierung, Robotik etc. mit alltäglichen Erfahrungen zu verbinden, ist die Problem- und Produktorientierung.

Diese modernen Lernansätze und Methoden fördern Kinder darin, selbst aktiv zu werden und Eigeninitiative zu entwickeln.

Nur indem wir selbst aktiv werden und etwas gestalten, lernen wir, unsere eigenen Ideen deutlich auszudrücken, zu strukturieren und umzusetzen. Nur wer seine Kompetenzen in konkreten Beispielen und in unterschiedlichen Kontexten einsetzen kann, entwickelt sie auch weiter.

Wie also kann man Problemlösung, Kreativität und Innovation lernen? Indem wir selbst handeln und dabei Ausprobieren und selbst Erfahrung sammeln!

Wenn in Pädagogik und Didaktik von Produkten die Rede ist, sind damit die Ergebnisse eines Lernprozesses gemeint, die präsentiert oder vorgeführt werden können. Das Produkt eines Lernprozesses kann ein Poster, ein Video, ein Lied, ein Theaterstück, ein programmiertes Spiel usw. sein.

Das Produkt lässt sich gut durch gegenseitiges Feedback von anderen Kindern oder Erwachsenen bewerten.

Alltagsbezug, Relevanz und Motivation

In der problemorientierten Praxis greifen wir sowohl in Kita als auch Schule echte Probleme auf, die Fragen bei den Kindern aufwerfen und die sie anregen, eigene Ideen auszudrücken.

Dafür geben die Fach- und Lehrkräfte aus Kita und Grundschule Input zu einem bestimmten Thema, anhand dessen die Kinder eigene Problemstellungen formulieren. Ein solcher Input könnte beispielsweise lauten: Welche Rolle spielt Plastik in unserem Leben? Ist jede Art von Plastik schlecht?

Welche Gedanken, Problemstellungen, Ideen, Inspirationen und kreativen Impulse haben die Kinder bei der Auseinandersetzung mit diesem Problem?

Greifen Sie die Fragen auf und machen Sie sich auf die Suche nach Lösungen!

Lernen ist individuell, subjektiv und gesellschaftlich sinnvoll

Ganz im Sinne der Lösungsorientierung, nimmt man die Fragen der Kinder und ihre natürliche Neugier zum Anlass, nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Ist man offen dafür, als Lösung ein Produkt zu erarbeiten, kann dies für Kinder ein spannender und lustvoller Prozess sein. So kann die Lösung auf das Problem „Ist jede Form von Plastik schlecht?“ z. B. eine Sammlung verschiedener Plastiksorten sein, die zeigt, wofür wir Plastik verwenden. Das Produkt des gemeinsamen Lernprozesses könnte aber ebenso gut ein Theaterstück sein, in dem die Kinder recycelbares Plastik erfinden und begründen, warum das wichtig für sie ist. Für größere Kinder könnte das Produkt und ihre Lösung auf das Problem vielleicht sogar eine am 3D-Drucker gedruckte Plastiktüte aus Zucker sein.

Tipp

„Ich habe ein Problem.“ Das Wort Problem ist meistens mit einer negativen Bedeutung versehen und wir verbinden es mit etwas Schlechtem. In der Informatik wird der Prozess des Problemlösens aber als Positives gesehen: Informatisches Denken hilft dabei, Strategien zu entwickeln, Probleme in lösbare Einheiten zu zerlegen.

Denn das Gute an Problemen ist, dass sie oft konkrete und vielfältige Lösungen haben. Problemorientierte Herangehensweisen aus der Informatik lassen sich daher gut mit lösungsorientierten Ansätzen aus der Pädagogik verbinden, da beide positive Ansätze des Lösungfindens verfolgen.

Beispiel: „Ich habe mein Pausenbrot vergessen und habe jetzt nichts zu essen.“

Beim Initiieren problem- und lösungsorientierter Bildungsprozesse in der pädagogischen Praxis kann es hilfreich sein, gemeinsam mit den Kindern über das Wort „Problem“ und seine Bedeutung zu reden.

Infobox

Mit Produkten Lösungen finden und Probleme lösen

Wenn wir umgangssprachlich von Produkten reden, meinen wir produzierte Güter, wie z. B. technische Geräte. Diese Produkte funktionieren auf eine bestimmte, nachvollziehbare Weise und lösen mit ihrer Funktion menschliche Probleme: Die Waschmaschine wäscht unsere Kleider, der Kühlschrank hält unsere Lebensmittel kalt und das Tablet bringt uns auf Abruf Informationen aus der ganzen Welt. Ein Produkt dient also dazu, ein bestimmtes Problem zu lösen.

Wir wollen Kinder nicht zu Produktentwicklerinnen und –entwicklern erziehen. Wir können uns jedoch einen Effekt des Entwicklungsprozesses zunutze machen: Das Lösen konkreter Probleme und Herausforderungen, die relevant für unser Leben sind, motivieren uns auf natürliche Weise. Sie geben unseren Bemühungen ein Gefühl von Sinnhaftigkeit. Deshalb lohnt es sich, mit Kindern von Anfang an über wahre Probleme wie Nachhaltigkeit, Klima und Zukunft zu reden.